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Fachtagung 2019: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in Theatern und anderen Veranstaltungsstätten

Die Vorträge zur Tagung sind in unserem Downloadportal eingestellt, aufzurufen mit dem Passwort UK Nord: https:/www.uk-nord.de/main/downloadbereich-login/

Veranstaltungsrückblick

Die Unfallkasse Nord hatte am 12. März in die Elbphilharmonie eingeladen und rund 90 Theaterleute kamen. Die diesjährige Theaterfachtagung fand am 12. März im Kaistudio 1 des Konzerthauses statt. 

Wie in jedem Jahr bildeten die Teilnehmenden einen Querschnitt durch die Landschaft der staatlichen und privaten Bühnen ab. UK Nord-Geschäftsführer Jan Holger Stock und Organisator Frank Hofmann begrüßten darüber hinaus technische Leitungskräfte von künstlerischen Hochschulen, von Rundfunk und Fernsehen, von Kongress-, Ausstellungs- und Mehrzweckhallen sowie Kolleginnen und Kollegen von Unfallkassen und Berufsgenossenschaften.

Der Themenbogen war wieder weit gefasst: Musikermedizin, Gastspiele in Theatern, Sanktionen bei Verstößen gegen das Arbeitsrecht, die neue Technische Regel zur Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung (TROS Laserstrahlung) und die Kampagne „kommmitmensch“ der Unfallkassen und Berufsgenossenschaften standen auf dem Programm.

Gleich zu Beginn der Tagung gab „Hausherr“ Dennis Just, Technischer Leiter der Elbphilharmonie und Laeiszhalle Betriebsgesellschaft, einen Überblick über „die Elbphilharmonie“. Der imposante Bau, bestehend aus dem ehemaligen, verklinkerten Kaispeicher A und einem markanten Glasaufsatz, vereinigt Kulturbetrieb, Hotel und Wohnen. Bei voller Auslastung von Hotel, Konzertsälen und Wohnungen befinden sich rund 5.000 Menschen in dem Gebäude. Im Fall einer Evakuierung müssen sie über 15 Fluchttreppenhäuser aus dem Gebäude zu mehreren Sammelplätzen gebracht werden. Die schmalen Flächen an zwei von drei Gebäudeseiten ließen einen zentralen, großen Sammelplatz nicht zu.

Im gesamten Gebäude herrscht ein leichter Unterdruck. Die hinter den Wandpaneelen angebrachten Rauchdetektoren analysieren fortwährend den Luftstrom auf Rauchpartikel. Wobei Rauch nicht gleich Rauch ist. Die neue Brandschutzanlage ist ein lernendes System, das etwa zwischen Theaterrauch und Brandrauch unterscheiden kann. 

Im großen Konzertsaal mit seiner mittig gelegenen Bühne (Centerstage) und den konzentrisch aufsteigenden Rängen („Weinberg“) sieht man so gut wie keine Saaltechnik. Das war die Vorgabe der Architekten, der Raum sollte eine puristische Atmosphäre ausstrahlen. Scheinwerfer wurden in die Decke verbaut, sechs von der Decke herabhängende Konzertlautsprecher wurden in einem trichterförmigen, mit Stoff ummantelten Klangreflektor untergebracht. Der kleine und der große Saal sind schallentkoppelt, damit kein Signalhorn des benachbarten Hafens den Musikgenuss trübt. Dennis Just stellte die Saaltechnik später vor Ort im großen Saal vor. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen hierbei auf der Bühne – ein Ort, an dem man nicht jeden Tag steht! 

Wolfgang Heuer von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen (UK NRW) gab einen Überblick über die Verkehrssicherheitspflichten bei Gastspielen in Theatern. Heuer ist stellvertretender Leiter des Sachgebietes Bühnen und Studios der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Am Anfang steht, wie überall, die Gefährdungsbeurteilung. Unterweisung und Dokumentation sind gerade in der Zusammenarbeit mit externen Veranstaltungspartnern von großer Bedeutung. Wolfgang Heuer wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass eine Muster-Gefährdungsbeurteilung „Ballett“ in Vorbereitung sei. 

Die „TROS Laser“ stellte Sylvana Dietzschold vom Amt für Arbeitsschutz (AfA) Hamburg vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Theater beim Einsatz von Lasern in der Bühnentechnik beachten müssen. Die Rolle des Laserschutzbeauftragten zur Überwachung eines sicheren Laserbetriebs wurde gestärkt. Eine Handlungsanleitung zur TROS Laser steht kurz vor dem Abschluss, die Veröffentlichung ist für Mai 2019 vorgesehen. Es handelt sich um die dritte Broschüre in einer Reihe über künstliche optische Strahlung, die sechs Partner erstellt haben: Amt für Arbeitsschutz Hamburg, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse, Unfallkasse Nord, Schweißtechnische Lehr-und Versuchsanstalt und Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. 

Frau Dietzschold stellte eine Online-Handlungshilfe für die Gefährdungsbeurteilung „künstliche optische Strahlung“ (Laser) vor. Sie steht Unternehmen zur Verfügung, die Laser verwenden. Es handelt sich um eine leicht auszufüllende Word-Datei mit Makros. Aus den Eingaben des Anwenders generiert die Handlungshilfe eine passgenaue Betriebsanweisung für das Unternehmen. Die Handlungshilfe ist auf der Website des Hamburger Amtes für Arbeitsschutz abzurufen: https://www.hamburg.de/themen/4312816/kuenstliche-optische-strahlung

Auf der Seite bitte herunterscrollen bis zum Download „Word-Makro Gefährdungsbeurteilung Laser“.

Verstöße gegen den Arbeitsschutz und ihre Sanktionierung waren Thema von Dr. Jörn Hülsemann. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht referierte zu Haftung und Vorsatz und zählte die Pflichten des Arbeitgebers auf. Ohne Compliance, das bedeutet die Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien, kommt heute kein Unternehmen mehr aus. Hülsemann plädierte dafür, dass Unfallversicherungsträger öfter das Regressverfahren einsetzen sollten, um Verstöße gegen den Arbeitsschutz zu sanktionieren. 

Dr. Klaus Zweiling, Leiter der Abteilung Prävention der Unfallkasse Thüringen (UKT), referierte zu Musikermedizin mit dem Fokus auf den Stütz- und Bewegungsapparat von Orchestermusikerinnen und –musikern. Grundlage seines Vortrags war ein Forschungsprojekt mit Berufsmusikern, das die UKT mit einer Fachklinik durchgeführt hatte. Solche Studien sind für die Prävention von Schäden durch Fehlhaltungen bei professionellen Musikerinnen und Musikern von Nutzen. Ihre Ergebnisse fließen in die Präventionsarbeit vor allem der Unfallkassen und der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft ein, bei denen viele Berufsmusiker versichert sind. 

Zum Ausklang der Fachtagung stellten Kimjana Curtaz und Jan Bögel von der UK Nord die Kampagne „kommmitmensch“ vor. Was kann die Kampagne zu sicherem und gesundem Verhalten in Theatern beitragen? Arbeitspsychologin Kimjana Curtaz stellte den verhaltensbasierten Ansatz „Behaviour Based Safety“ von Börderlein (2015) vor. Der Ansatz umfasst fünf Stufen: 

• Verhalten definieren
• Verhalten beobachten
• Feedback geben
• Ziele setzen
• Handeln positiv verstärken, z.B. durch Belohnung

Die Fachtagung bot wieder interessante und lehrreiche Vorträge aus dem breiten Themenspektrum der Bühnenwelt, so das Fazit der Teilnehmenden. Die Elbphilharmonie stellte dazu einen besonderen Rahmen. Herzlichen Dank an die langjährigen Kooperationspartner der UK Nord: die Unfallkasse Mecklenburg-Vorpommern, den Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover / Landesunfallkasse Niedersachsen und die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft (DTHG).

Klaudia Gottheit

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