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So werden Kinder sicher mobil. Fachtagung, Kiel, 20. Februar 2017

01. März 2017

Vier Personen diskutieren bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Fachtagung "Aspekte der Mobilitäts- und Verkehrserziehung" am 20. Februar 2017 in Kiel

Diskussionsrunde bei der Fachtagung (Foto: UK Nord)

Rückblick auf die Fachtagung  „Aspekte zur Mobilitäts- und Verkehrssicherheitsarbeit“ am 20. Februar 2017 in Kiel

Die Unfallkasse Nord hatte eingeladen und rund 140 Gäste waren trotz des ‚“typisch norddeutschen“ Nieselwetters zur Fachtagung „Aspekte zur Mobilitäts- und Verkehrssicherheit“ nach Kiel gekommen. In der Mobilitäts- und Verkehrserziehung hat UK Nord-Mitarbeiter Michael Taupitz in mehr als 30 Jahren solide Grundlagen gelegt. Am Ende seines langen Berufsweges als Pädagoge in der gesetzlichen Schüler-Unfallversicherung wurden die Kernthemen bei der Fachtagung noch einmal präsentiert. So standen „Frühkindliche Bildung“, „Radfahrausbildung“ und die „Verkehrsbeteiligung Jugendlicher unter Alkoholeinfluss“ auf dem Tagungsprogramm.

Professorin Renate Zimmer vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (NIfBE) referierte über Mobilitätserziehung in der frühkindlichen Bildung. Wilhelm von Humboldt hat es so ausgedrückt „Bildung kann sich nur in der tätigen Auseinandersetzung mit der Welt entfalten.“  Kinder, so Renate Zimmer, fragten sich bei jeder neuen Begegnung: „Was tut das Ding mit mir?“ Neugierde sei der Schlüssel zur Erfahrung, so die Pädagogin. Neuronale Verknüpfungen (Synapsen) im kindlichen Gehirn festigen sich auf der Grundlage von Sinnesreizen. Bis zum Alter von zwei Jahren bilden sich laufend neue Synapsen, danach reduziert sich diese Vielzahl wieder. Neuronale Bahnen verfestigen sich, denn für viele Tätigkeiten, z.B. rutschen, klettern, haben Kinder dann schon Routinen parat. 

Für die motorische und kognitive Entwicklung haben die körpernahen Sinne Gleichgewichtssinn, Bewegungswahrnehmung und taktile Wahrnehmung große Bedeutung. Leider können Kinder elementare Fähigkeiten, die sie zur Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt brauchen, nicht mehr ausreichend ausbilden. Denn Motorisierung und zunehmende Verdichtung engen Bewegungsräume für Kinder immer mehr ein.

Fahrrad fahren ist eine Variante der Teilnahme am Straßenverkehr, die Kinder und Jugendliche gern und lange nutzen. Dr. Nicole Neumann-Opitz von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und Martin Kraft vom Verkehrswacht Medien- und Servicecenter stellten eine Studie zur Radfahrausbildung an Schulen und die motorischen Voraussetzungen der Kinder vor.

Zählt man das Laufrad hinzu, sind Kinder schon ab dem Alter von ca. drei Jahren auf Zweirädern mobil. Allerdings nehmen Kinder immer später selbstständig als Radfahrerinnen und Radfahrer am Straßenverkehr teil, mitbedingt durch das „Elterntaxi“ zur Schule. Die Vermutung liegt nahe, dass Kinder heute mit anderen motorischen Voraussetzungen aufs Fahrrad steigen als noch vor 20 Jahren. Die BASt hat in ihrer Studie 2012 und 2013 in allen Bundesländern (Ausnahme Bayern) Polizeiverkehrslehrerinnen und –lehrer, Klassenlehrerinnen und –lehrer, Eltern und Kinder zur Radfahrausbildung in Grundschulen befragt.

Die Radfahrausbildung ist das wichtigste und am weitesten verbreitete Programm in der schulischen Verkehrssicherheitsarbeit. In allen Bundesländern kooperieren Polizei (Praxis) und Schule (Theorie) bei der Radfahrausbildung in den 3. und 4. Klassen. Motorische Defizite bei den Kindern monierten sowohl die befragten Polizeiverkehrslehrkräfte als auch Lehrerinnen und Lehrer. Es existiert ein Gefälle zwischen den Kindern, die sich sicher und geschickt bewegen und den weniger geschickten Kindern.

Viele Lehrkräfte berichteten, dass sie sich den Stoff zum Thema Verkehrserziehung/Radfahrausbildung im Selbststudium angeeignet haben. Hier raten die Autoren, Materialien für die erste und zweite Phase der Lehrerausbildung zu entwickeln. Damit kann ein Grundniveau an methodischen Kenntnissen über die Radfahrausbildung und die motorischen Förderung erreicht werden. Die Kinder mit motorischen Schwächen sollten langfristig und kontinuierlich gefördert werden. Unterstützung bietet zum Beispiel das Programm „Frühradfahren“ der UK Nord in Schleswig-Holstein. Und auch die Eltern müssen frühzeitig informiert und in die Arbeit einbezogen werden.

Mit seinem Vortrag „Alkoholisiert mobil – nicht erst ab 18“ griff Rolf Hoppe von der Kölner Planungsgesellschaft Verkehr ein emotional aufgeladenes Thema auf. Er stellte die Ergebnisse einiger Studien vor, darunter der Bundeszentrale für die gesundheitliche Aufklärung (BZgA). 

Demnach ist der Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren rückläufig ( BzgA 2011). Über zwei Drittel (71 %) der Befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12 und 22 Jahren waren bereits alkoholisiert mobil. Im Durchschnitt zweimal im Monat. 27 Prozent der Befragten haben unter Alkoholeinfluss mindestens einmal eine gefährliche Situation im Straßenverkehr erlebt. Die Auswertung von mehr als 400 Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss ergab, dass dreimal mehr Jungen als Mädchen verunglückten.

Der Autor zieht daraus folgende Schlussfolgerungen: Auch bei der Rauschmobilität gilt (leider): Früh übt sich. Strukturelle Interventionen helfen, auch müssen Gesundheits- und Sozialakteure besser kooperieren, etwa die BZgA, Polizei, Schulen, gesetzliche Unfallversicherung, Stadtteilsozialarbeit.

Klaudia Gottheit


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