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Fachtagung: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in Theatern, Hamburg, 1. März 2018

07. März 2018

Foyer des Hotels Reichshof Hamburg (Foto: UK Nord)

Wie lässt sich die Räumung einer Veranstaltungsstätte simulieren? Warum sollte sich ein Intendant mit dem Thema Arbeitsschutz auskennen? Was bedeuten Arbeitszeiten nach 20 Uhr für schwangere und stillende Theaterangestellte? Dies waren nur einige der Fragen, die im Rahmen von Fachvorträgen auf der Tagung „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in Theatern und anderen Veranstaltungsstätten“ im Hotel Reichshof in Hamburg beantwortete wurden.

Zur Fachtagung am 1. März 2018, einer Kooperationsveranstaltung der Unfallkasse Nord (Schleswig-Holstein u. Hamburg), Unfallkasse Mecklenburg-Vorpommern, Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover / Landesunfallkasse Niedersachsen und der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft (DTHG), waren rund 70 Theatertechniker und technische Führungskräfte aus Veranstaltungsstätten und Theatern gekommen. Eingeladen hatte wie in den Vorjahren die Unfallkasse (UK) Nord. Frank Hofmann von der UK Nord moderierte die Fachtagung in diesem Jahr wieder in bewährter Form.

Wie Räumungskonzepte mithilfe von Personenstromsimulationen überprüft werden können, erläuterte Sophia Simon von der accu:rate GmbH aus München in ihrem Vortrag. Die Referentin zeigte auf, warum es sinnvoll ist, Personenstromsimulationen zur Erstellung und Überprüfung von Räumungskonzepten hinzuzunehmen. Ein Grund ist unter anderem, dass gültige Normen und Verordnungen wie z. B. die Versammlungsstättenverordnung (MVSTättVO) sehr unkonkret und statisch sind. Psychologische Aspekte werden hierbei nicht beachtet. Bei Computersimulationen lassen sich Faktoren wie soziodemografische Daten mit berücksichtigen und so bisher Unerkanntes entdecken: Ist ein Fluchtweg zu eng? Wo staut es sich? In welcher Geschwindigkeit ist die Veranstaltungsstätte geräumt? Die gewonnen Erkenntnisse helfen, um entsprechende Sicherheitsmängel zu beseitigen. Beispielsweise könnte der Einsatz von weiteren Sicherheitspersonen die Räumungssituation im Ernstfall verbessern. Sophia Simon empfiehlt Personenstromsimulationen auch als Grundlage für Gefährdungsberurteilungen, diese beziehen sich allerdings nur auf geordnete Räumungen.

Im zweiten Vortrag von Dr. Jörn Hülsemann, Fachanwalt für Arbeitsrecht, ging es um die Verantwortung von Führungskräften in Theatern und Veranstaltungsstätten, die diese bezüglich des Arbeitsschutzes haben. Seine provokante Eingangsfrage lautete: „Steht diese Personengruppe mit einem Bein im Knast?“ Er betonte, dass der Arbeitgeber die Pflicht hat, für Arbeitsschutz im Betrieb zu sorgen. Unterlässt er dies, macht er sich strafbar. Der Arbeitgeber kann den Arbeitsschutz allerdings in einem gewissen Rahmen delegieren, bleibt aber verantwortlich. Welche Möglichkeiten er hierbei hat, zeigte Dr. Hülsemann in seinem Vortrag auf. Unter anderem muss die Übertragung der Verantwortung des Arbeitsschutzes für die zuständigen Aufsichtsbehörden deutlich und nachvollziehbar sein. Dr. Hülsemann wies weiter darauf hin, dass trotz einer Übertragung des Arbeitsschutzes der Arbeitgeber eine Ausführungspflicht hat. Weiter erläuterte er die Rolle des Beauftragten für Arbeitsschutz.

In dem Vortrag von Wolfgang Heuer, Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, ging es um das Thema „Prüfung von Arbeitsmitteln nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)“. Seit 2015 ist die BetrSichV die zentrale Verordnung für Arbeitsmittel und Grundlage für die Gefährungsberurteilungen von Arbeitsmitteln. In seinem Vortrag gab Wolfgang Heuer Tipps, wie die BetrSichV in der Praxis angewendet und umgesetzt werden kann. Er wies daraufhin, dass einige Verordnungen erst noch vom Gesetzgeber entworfen und beschlossen werden. Gleichzeitig appellierte er an die Teilnehmer, sich mit ihrer Praxiserfahrung über die zuständigen Verbände in die Diskussion einzubringen. Denn nur so könnte erreicht werden, dass neue Verordnungen auch in der Praxis anwendbar sein.

Über „Anforderungen für Theater und Veranstaltungsstätten durch das neue Mutterschutzgesetz“ referierte Susanne Friederichs, Amt für Arbeitsschutz Hamburg. Sie stellte die Neuerungen des Gesetzes vor. Unter anderem wurde der Personenkreis, für den das Gesetz Gültigkeit hat, erweitert. Neu ist, dass stillende Mütter mehr Berücksichtigung finden und die Gruppe von Schülerinnen und Studentinnen sowie arbeitnehmerähnliche Personen hinzugekommen sind. Weiter sind durch das neue Gesetze erweiterte Pflichten für den Arbeitgeber entstanden. So müssen Gefährdungsbeurteilungen frühzeitig bekanntgeben werden, es gibt erweiterte Mitteilungspflichten und die Aufbewahrungsfristen haben sich geändert. Neu im Gesetz wird der Begriff „Unverantwortbare Gefährdung“ verwendet. Wie dieser Begriff definiert werden kann, erläuterte Frau Friederichs in ihrem Vortrag.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Sven Kubin, Präventionsfeld Bühnen und Studios von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) gesetzliche Unfallversicherung, die „Blaulichtgefährdung durch Bühnenscheinwerfer“ vor. Die gesetzliche Grundlage bildet die künstliche optische Strahlenverordnung, die unter anderem eine Gefährdungsbeurteilung fordert. Herr Kubin stellte sehr anschaulich dar, wie er Messungen künstlicher optischer Strahlung an Scheinwerfern in der Praxis durchgeführt hat. Dabei stellte er fest, dass die Gefährdungen im Bereich der Veranstaltungstechnik sich insbesondere durch den Blaulichtanteil bei den HMI-Scheinwerfern ergeben.

Am Ende der Veranstaltung waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, dass die gebotenen Vorträge erneut sehr lehrreich und informativ waren und sich an den Themen aus dem Theateralltag orientierten. Nicht zu unterschätzen ist bei der Tagung der fachliche Austausch der „Theaterleute“ untereinander sowie mit den Experten der Unfallversicherung und aus weiteren Bereichen – dieser war auch in diesem Jahr wieder sehr intensiv.  

Die von den Referentinnen und Referenten freigegebenen Vorträge finden Sie in unserem Downloadportal: https://www.uk-nord.de/de/nc/unfallkasse-nord/downloadbereich-login.html

Annette Alvermann


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