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Alles Theater! Norddeutsche Theater- Fachtagung, Hamburg, 2. März 2017

03. März 2017

Foyer des Hotels Reichshof Hamburg (Foto: UK Nord)

Welche Gefährdungen gehen von Showlasern aus? Was tun, damit den Moderator bei der Show nicht der elektrische Schlag trifft? Zwei von fünf Themen, die bei der Fachtagung „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in Theatern und anderen Veranstaltungsstätten“ im Hotel Reichshof in Hamburg vorgestellt wurden.

Rund 80 technische Führungskräfte aus Veranstaltungsstätten in ganz Norddeutschland nutzen die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Diskussion mit den Referentinnen und Referenten der Vorträge. Eingeladen hatten wieder die Unfallkasse (UK) Nord, die UK Mecklenburg-Vorpommern, der Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover, die Landesunfallkasse Niedersachsen und die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft (DTHG). Guido Pohlmann von der UK Nord führte durch die Veranstaltung.

Künstliche optische Strahlung war das Thema des ersten Vortrags von Sylvana Dietzschold vom Amt für Arbeitsschutz Hamburg. Die Referentin wies auf die Änderung der "Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung (OStrV)“ vom 19. Juli 2010, zuletzt geändert durch Artikel 2 V vom 30. November 2016, hin. Geändert wurden die Paragrafen 5 - Laserschutzbeauftragter, 10 - Ausnahmen  und 11 - Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Neu ist dabei besonders

  • dass beim Betrieb von Lasern der Klassen 3R, 3B und 4 keine Sachkunde, sondern Fachkenntnisse gefordert werden, welche durch die erfolgreiche Teilnahme an einem Lehrgang nachzuweisen sind.
  • eine Anerkennung derartiger Lehrgänge mit der Änderung des Paragrafen 5 nicht vorgesehen ist. Es liegt weiterhin allein in der Verantwortung des Arbeitgebers, einen geeigneten Lehrgangsträger auszuwählen.
  • die dabei zu berücksichtigenden Kriterien  werden in TROS „Laser“ festgelegt. Diese wird zurzeit überarbeitet. Mit ihrem Erscheinen wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2017 gerechnet.

Frau Dietzschold berichtete außerdem über den Stand der 2010 ins Leben gerufenen drei Projekte „Erstellung von Handlungshilfen zur Umsetzung der Inhalte der Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung (OStrV) sowie zum Technischen Regelwerk zu inkohärenter Strahlung (TROS IOS) und zur Laserstrahlung (TROS KOS)“. Die Broschüre „Handlungshilfe zur Umsetzung der Technischen Regel TROS Laserstrahlung“ befindet sich zurzeit noch im Entwurf. Hier wird man unter anderem eine Mustergefährdungsbeurteilung mit Beschreibung eines Programmes zur Erstellung der individuellen arbeitsplatzbezogenen Gefährdungsbeurteilung und eine Checkliste zur Auswahl von Laserschutz- und Laserjustierbrillen finden.

Viele Theater befinden sich in historischen Gebäuden. Sie stehen für kulturelle Tradition und sind meist markante Bauwerke in der Stadtlandschaft. Ein kostenträchtiges Problem historischer Gebäude, und nicht nur dieser, sind Feuchteschäden, hervorgerufen etwa durch Kondenswasser, Schlagregen, Leckagen, Stauwasser. Mögliche Folgen sind Stockflecken, Schimmel unter Putz und Schwamm im Holz. Joachim Schreiber, Sachverständiger für Mauerwerk, stellte Sanierungsmöglichkeiten vor und gab Hinweise zum „Verhalten bei Feuchteschäden am Bauwerken“.

Über „Mobile Potentialausgleichssysteme in der Veranstaltungstechnik“ referierte Jörg Bräutigam von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. Bei Veranstaltungen wird oft ein mobiles, auf die Veranstaltung zugeschnittenes Netz zur Spannungsversorgung installiert. Dieses Sondernetz existiert temporär neben der fest installierten Gebäudeversorgung. Es kann vorkommen, dass leitfähige Teile des Sondernetzes unterschiedlich hohe Spannungspotenziale haben, die zum Ausgleich streben. Mögliche Folge: ein elektrischer Schlag. Etwa, wenn der oben erwähnte Moderator mit einem drahtgebundenen Mikrofon ein Metallgeländer berührt. Mobile Potenzialausgleichssysteme werden eingesetzt, um solche Schadensfälle zu vermeiden. Publikum, Beschäftigte, Künstlerinnen und Künstler sind zu schützen. Das Sicherheitsniveau dieser Systeme beschreibt die DIN 15700, maßgebend sind außerdem die Unfallverhütungsvorschriften „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“, „Sicherheit in Theatern und Veranstaltungsstätten“ und weitere Vorschriften.

Die „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen“ an Theatern war das Thema von Kerstin Budde vom that Büro für Theater Betriebstechnik. In ihrem Vortrag stellte sie das methodische Vorgehen bei der Gefährdungsbeurteilung an zwei Theatern unterschiedlicher Größe vor. In einem kam ein standardisierter Fragebogen zum Einsatz, im anderen wurden Workshops veranstaltet. Im Anschluss entspann sich eine kontroverse Diskussion über Methoden und praktische Ergebnisse der Erhebung psychischer Gefährdungen.

Alex Golz von der Hamburger Firma blackout stellte Schutzmaßnahmen beim Betrieb von „Showlasern im Veranstaltungsbereich“ vor. Bekannt ist, dass Showlaser Augenschäden hervorrufen können. Das kann bis zur Erblindung führen. Auch die Haut kann schwer geschädigt werden. Die persönliche Schutzausrüstung steht bei den Schutzmaßnahmen ganz oben. Auch das Publikum muss vor Schäden durch Strahlung geschützt werden. Das geschieht durch eine strahlungsfreie Zone, die so gennannte Safety Zone. Showlaser  dürfen nur in geschlossenen Gehäusen betrieben werden, sie müssen unverrückbar aufgebaut und sich mit einem Not-Aus schnell abschalten lassen. Jedes Unternehmen, das Laserstrahlung einsetzt, muss eine Laserschutzbeauftragte oder einen –beauftragten berufen. Die Befähigung ist nachzuweisen.

Einen Blick in die Zukunft gab Stefanie Braun, Leiterin der Dekorationswerkstätten der Staatsoper Hamburg. Sie stellte die Planungen für das neue Gebäude der Dekorationswerkstätten im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort vor.

Die von den Referentinnen und Referenten freigegebenen Vorträge können Sie hier betrachten: https://www.uk-nord.de/fileadmin/user_upload/pdf/praevention/Veranstaltungen/2017_03_02_Theaterfachtagung/Vortraege_Theaterfachtagung_2017_fin.pdf

Klaudia Gottheit


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